Niko Henke verlängert: "Der soziale Anker im Tor"

Rückblickend ist Niko Henke sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Ein weiteres Jahr mit meinen Freunden und meinem Hobby hier zu verbringen, ist wahnsinnig toll“, sagt der 25‑Jährige. Dass aber gerade Handball einmal seine große Leidenschaft werden würde, war lange Zeit nicht klar.
Der heutige Keeper der Drittliga‑Lurchis kam vergleichsweise spät zum Handball – erst mit fast elf Jahren. Der gebürtige Stuttgarter, der in Ulm aufwuchs, probierte in seiner Kindheit und Jugend nahezu jede Sportart aus, die in den umliegenden Vereinen angeboten wurde. Von Eishockey über Tennis und Leichtathletik bis hin zu sämtlichen Ballsportarten war alles dabei. „Meine Eltern haben mich in wirklich alles geschickt“, erinnert sich Henke. Und wie es sich gehört, durfte auch ein Musikinstrument nicht fehlen: 13 Jahre lang spielte er Schlagzeug.
Dass er letztlich beim Handball blieb, war eher Zufall. „Zugegeben, ich war ein wirklich schlechter Kicker“, sagt Henke selbstironisch. Doch auch im Handball fühlte er sich zunächst nicht zu Hause. Zwei Jahre lang versuchte er sich als Feldspieler. Zwar attestierten ihm Trainer großes Talent, doch Henke hatte Zweifel. „Ich hatte immer Angst vor den Gegnern“, gesteht er.
So stellte er sich freiwillig zwischen die Pfosten – und dort änderte sich alles. Auch wenn die Torhüterposition zunächst nicht wie der ideale Platz wirkte, fühlte er sich zunehmend wohler. Henke fand Anschluss, knüpfte Freundschaften, blieb und entwickelte eine Beziehung zu seinem Platz im Kasten. Schritt für Schritt verabschiedete er sich von anderen Sportarten und konzentrierte sich fortan voll auf den Handball.
Bei der TSG Söflingen, seinem Heimatverein, durchlief Henke sämtliche Jugendstationen, spielte später ein Jahr in der A‑Jugend in Günzburg. Nach dem Abitur entschied sich der Torhüter für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. „Ich habe gesagt: Wenn mir nichts Besseres einfällt, werde ich Lehrer“, erzählt Henke lachend. Genau so kam es dann auch.
Während seines Studiums kam er erstmals mit den Lurchis in Kontakt. In der Saison 2019/20 trainierte der damalige Viertliga‑Keeper bei der Mannschaft von Cheftrainer Alexander Schurr mit. Als Torhüter Pascal Welz dann seine aktive Laufbahn beendete, erhielt Henke das Angebot zum Wechsel und sagte zu. Seitdem - seit fünf Jahren - steht er mehr oder weniger zwischen den Pfosten.
Der Start verlief nämlich holprig: Zunächst bremste ihn eine Verletzung am kleinen Finger aus, anschließend legte die Corona‑Pandemie den Spielbetrieb lahm. Die äußeren Umstände machten es dem damals 20‑Jährigen nicht leicht, sich einzufinden. Doch Henke ist seit jeher ein sozialer Typ – eine Eigenschaft, die auch sein Trainer hervorhebt. „Niko ist unheimlich wichtig für das Mannschaftsgefüge und hat auf jeden ein Auge. Dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar“, sagt Schurr.
Henke selbst spielt seine Rolle lieber herunter. „Ich rede einfach unheimlich gerne, dann kommt das so rüber“, sagt er schmunzelnd. Doch dass er ein offenes Ohr für seine Mitspieler hat und im Team geschätzt wird, bestätigen auch diese. So passt auch der Lehrerberuf zu ihm wie die Faust aufs Auge.
Henke hat sich auf Sonderpädagogik spezialisiert, sein Studium nun beendet und könnte ins Referendariat starten. Doch zunächst verfolgt er andere Pläne. Aktuell arbeitet er als Schulbegleiter an einer Schule für sehbehinderte Kinder. In den Sommermonaten möchte er zudem wieder verreisen. Bereits 2024 studierte Henke ein Semester in Norwegen an der Universität Kristiansand und knüpfte Freundschaften. Viele dieser Menschen möchte er wiedersehen – in Norwegen oder eben anderswo in Europa.
Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen. Vermutlich folgt das Referendariat. Fest steht hingegen: Seinen Vertrag bei den Lurchis hat die Trikotnummer 12 bis zur Saison 2027/28 verlängert. Und solange seine Freunde wie Mitbewohner Marco Lantella nicht wegziehen, wird auch Henke dem SV Kornwestheim treu bleiben. „Ist doch wirklich schön hier“, sagt Niko Henke freudig.
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